23. November 2011 Inge Höger

Nicht in unserem Namen! Not in our Names!

Aufruf für einen Frauenblock bei der Afghanistandemonstration am 3. Dezember 2011 in Bonn

Bereits 1992 baten afghanische Frauen beim 19. Kongress der sozialistischen Internationale in Berlin um Hilfe. Hintergrund waren die Verbrechen der afghanischen Warlords vor allem an Frauen. Wir erinnern daran, dass es der Westen war, der die Taliban und Warlords seit 1979 aufgerüstet und finanziert hat! Dass die Warlords der 1990er Jahre in kaum geringerem Maße als die Taliban sämtliche Frauenrechte mit Füßen traten, wird bis heute gerne verschwiegen. Erst mit dem Ende der Kooperation durch die Taliban nutzten die NATO-Staaten die Unterdrückung der afghanischen Frauen zur populären Legitimation ihres Krieges gegen Afghanistan.
Im Namen der Frauenrechte wird Krieg in Afghanistan geführt. Doch wie sieht die Wahrheit aus? Es ist der Westen, der eine Regierung unterstützt, für die Frauenrechte höchstens ein Instrument zur Legitimation der Macht ist. Seit der Besatzung wurden Rechte, die Frauen in Afghanistan einst hatten auf Intervention des Westens abgeschafft. Einmal mehr sollen Frauen herhalten, um einen Krieg moralisch zu rechtfertigen! Vernichtend sieht das Urteil der afghanischen Frauenrechtlerin Malalai Joya aus: Die USA und ihre Verbündeten nahmen die Not der afghanischen Frauen als Begründung für ihren Angriff gegen Afghanistan, behaupten, den afghanischen Frauen die Freiheit gebracht zu haben. Aber das ist nichts als eine Lüge. Das Land ist in den Händen von Warlords und Drogenbaronen, die bis auf die Knochen frauenfeindlich sind. Die Frauen leiden mehr denn je. Die Selbstmordrate unter Frauen war noch nie so hoch!“

Wir sagen: Nicht in unserem Namen!

Wie sieht die „Verteidigung von Frauenrechten“ durch die Karzeiregierung aus? Ein Beispiel für ihre „Frauenpolitik“ ist die Verabschiedung eines Gesetzes, das die Vergewaltigung schiitischer Frauen in der Ehe legalisieren sollte. Die Hoffnungen vieler Frauen aus dem Jahre 2001, dass demokratische Kräfte in Afghanistan gestärkt werden sollen, sind im Bombenhagel zerstoben: Die Regierung Karzai sei faktisch "eine Gruppe von Warlords, Kriminellen, die von 1992 bis 1996 in Afghanistan einen Bürgerkrieg führten. Sie sind Kopien der Taliban, nur mit Anzug und Krawatte." – so eine Frauenrechtlerin aus Afghanistan.

Frauen in Afghanistan sind in zunehmendem Maße brutaler physischer Verfolgung ausgesetzt. Selbst Morde an Politikerinnen werden nicht geahndet. Kinder- und Zwangsheirat sowie „Ehrenmorde“ finden weiter auf hohem Niveau statt. Frauen haben in der Realität keine gleichen Rechte. Die mit großem Propagandaaufwand eingerichteten speziellen Frauenteams in der Polizei funktionieren in der Praxis kaum. Mehr als die Hälfte aller Mädchen sind von jeglicher Schulbildung ausgeschlossen. Mädchenschulen gelten als Symbole für die Besatzung und werden häufig angegriffen. Die Selbstmordrate von Frauen in Afghanistan steigt. Human Rights Watch stellt fest, dass den afghanischen Kooperationspartnern des Westens nichts an Frauenrechten liegt: "Die dominierenden politischen Fraktionen in Afghanistan stehen vielen der Rechte, deren Frauen sich seit dem Sturz der Taliban wieder erfreuen können, weiterhin feindlich gegenüber".
Wir stehen an der Seite der Frauen in Afghanistan! Wir fordern gleiche Rechte, Demokratie und Selbstbestimmung statt Krieg, Vergewaltigung und Unterdrückung! Wir fordern ein Ende des Missbrauchs von Frauen für die Kriegspropaganda!

Frauen werden nicht durch Bomben befreit – Alle Truppen raus aus Afghanistan!

Beteiligt Euch am Frauenblock bei der Demonstration am 3.12.2011.