Für gute Arbeit und gutes Leben!
Gegen Lohnungleichheit!
Eine aktuelle Studie aus Brüssel machte pünktlich zum internationalen Frauentag mal wieder darauf aufmerksam, dass Frauen in Deutschland im Durchschnitt 23,2 % weniger verdienen als Männer.
Der Lohnunterschied hat in den letzten Jahren in Deutschland zugenommen und liegt deutlich über dem EU - Durchschnitt von 18 %. Deutschland kommt in Europa mit diesem Wert gleich nach Estland (Minus 30,4 %), Tschechien (Minus 26,2 %) Österreich (25,5 %) und den Niederlanden. Deutschland ein Entwicklungsland? Zumindest übernimmt das Land keine Vorreiterinnenrolle beim Abbau von Entgeltdiskriminierung.
Und dies ist erst die halbe Wahrheit. Gerade in der aktuellen Krise wird von interessierter Seite gerne behauptet, Frauen seinen nicht die Verliererinnen, sondern Gewinnerinnen der Krise. Die Erwerbslosigkeit von Frauen nimmt leicht zu, während die der Männer steil um 17 Prozent in die Höhe geschnellt ist.
Genaueres Hinsehen zeigt ein differenzierteres Bild. Eine Anfrage der LINKEN an die Bundesregierung enthüllte, dass es sich bei der Zunahme von Frauenerwerbstätigkeit in den letzten Jahren fast ausschließlich um unsichere und schlecht bezahlte Jobs handelt.
Trotz steigender Frauenerwerbsquote nahmen die mit Frauen besetzten Vollzeitstellen seit 1999 um rund 640.000 ab. Dagegen stiegen die Teilzeitjobs um 1,13 Mio. und die Minijobs seit 2003 um 930.000. Hatten 1998 noch 1,71 Mio. Frauen befristete Arbeitsverträge, so waren es 2008 bereits 2,35 Mio. Ein plus von 37 Prozent. Sogar die Leiharbeit betrifft mit ihrer Ausdehnung auf den Dienstleistungssektor immer Frauen. Ihre Zahl stieg von 63.488 im Jahr 1999 bis zum Krisenjahr 2008 auf 197.625 – also um das Dreifache.
Also Frauen verdienen nicht nur im Durchschnitt weniger als Männer, sondern sie sind weit häufiger von prekären Beschäftigungsverhältnissen betroffen.
Arm trotz Arbeit ist vor allem ein Frauenschicksal. So verwundert es auch nicht, dass 54,4 % der sog. Aufstocker – die ihr Erwerbseinkommen durch ALG II aufstocken müssen - weiblich sind.
Frauen haben zwar noch Arbeit, aber sie können nicht davon leben. Und auch wenn Frauen im Moment noch nicht im gleichen Ausmaß wie Männer von Erwerbslosigkeit betroffen sind, zeichnet sich das dicke Ende bereits ab.
Für die von der Krise betroffenen Banken hatte die Bundesregierung schnell einen Rettungsschirm in Höhe von unvorstellbaren 500 Mrd. Euro bereitgestellt. Der Bundeshaushalt 2010 wird gerade mit einer gigantischen Neuverschuldung von 80 Mrd. € verabschiedet.
Sobald die aufgenommenen Staatsschulden zur Rettung der Banken und Konzerne von eben diesen Banken zurück gefordert werden, geht es dem öffentlichen Sektor – in dem überwiegend Frauen arbeiten – an den Kragen. Länder und Kommunen stöhnen bereits, dass sie nicht mal genügend Geld für die Pflichtaufgaben haben, alles andere kommt auf den Prüfstand: Vom Theater über Schwimmbäder bis zu den Kitas und Altenhilfe- und Behinderteneinrichtungen.
Bald wird brutal im Dienstleistungssektor gespart werden. Die Gesundheitsversorgung, die Versorgung von Alten und Kindern stehen bereits heute nicht nur bei Bund und Land, sondern auch ganz konkret z.B. hier in Herford auf dem Prüfstand. Sinkende Einkommen werden in Folge einen Arbeitsplatzabbau im Handel und bei den privaten Dienstleistungen nach sich ziehen. Dann werden wieder überwiegend Frauen betroffen sein.
Schon vor der Krise waren die Frauen ökonomisch und sozial tief gespalten. Auf der einen Seite haben wir die bestausgebildete Frauengeneration aller Zeiten und ein Teil dieser gut ausgebildeten Frauen verdient genug zum Leben – wenn auch weniger als Männer in vergleichbaren Positionen. Für diese Frauen machen sich Frau von der Leyen und nun Frau Schröder als Familienministerinnen stark, um endlich die Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu ermöglichen.
Auf der anderen Seite die Mehrheit der Frauen an den Supermarktkassen, in Callcentern, als Erzieherinnen, Tagesmütter, Friseurinen, als Haushaltshilfen oder private Pflegekräfte.
Der Widerspruch zwischen Lohnarbeit und Kapital, zwischen denen die das Kapital besitzen und denen die nur ihre Arbeitskraft verkaufen können, verschärft sich in Zeiten der Krise noch mal massiv. Für Frauen manifestiert sich zusätzlich die Art und Weise des Wirtschaftens in dem Unterschied zwischen verwertbarer bezahlter Arbeit und der schlecht oder überwiegend unbezahlten Reproduktionsarbeit.
Die Produktion für den Markt wird als ‚Arbeit’ ernst genommen und findet in mehr oder weniger gut bezahlter Lohn- oder Erwerbsarbeit statt. Die Reproduktions- oder Sorgearbeit wird traditionell in die Privathaushalte verlagert und vorrangig als natürliches Betätigungsfeld von Frauen angesehen.
Und dort, wo Pflege, Gesundheit, Bildung staatlich organisiert werden, werden sie nicht als notwendig und nützlich sondern als Kostenfaktor angesehen, der gesenkt werden muss.
Und hier kommen wir auf den Ausgangspunkt meiner Einlassungen zurück. Frauenarbeit wird vor allem deshalb schlecht bezahlt, weil Frauen überwiegend in typischen Frauenberufen erwerbstätig sind und diese Sorge- und Erziehungsarbeit gesellschaftlich nützlich aber nicht wertvoll angesehen und deshalb schlechter bezahlt wird. Zusätzlich gelten Frauen nach wie vor als Zuverdienerinnen, die allein schon deshalb schlechter bezahlt werden können.
„Allein in Deutschland könnte eine Beseitigung der Lohnunterschiede zu einem Anstieg von rund 30 Prozent des Bruttoinlandsprodukts führen“, sagte die EU-Kommissarin Viviane Reding bei der Vorstellung der Lohnunterschiede. Und Deutschland sei eines der wirtschaftlich am weitesten entwickelten Länder und sollte mit gutem Beispiel vorangehen.
Allerdings werden Appelle dieser Art nichts ändern. Wenn wir das ändern wollen, brauchen wir nicht nur eine Neubewertung von Arbeit, sondern vor allem eine Neu- und Umverteilung von Erwerbsarbeit.
Die zunehmende Produktivität der Arbeit hat dazu geführt, dass immer mehr Waren in immer kürzerer Zeit hergestellt werden können. Einmal ganz abgesehen davon, dass die Warenproduktion sich nicht an den Bedürfnissen der Menschen sondern an Profitinteressen orientiert und das viele dieser Waren überflüssig sind, kann die Erwerbsarbeit aufgrund der Produktivitätsentwicklung auf 20 Stunden in der Woche für alle die arbeiten möchten und wollen verkürzt werden. Verbunden mit vollem Lohnausgleich und Mindestlöhnen hätten Männer und Frauen genug Geld zum Leben.
Das sichert Arbeitsplätze im Handwerk, Handel und im Dienstleistungsbereich. Zusätzlich muss die öffentliche Daseinsvorsorge ausgebaut werden. Hier können und müssen bezahlte Arbeitsplätze im Bereich Bildung, Erziehung, Gesundheitsversorgung und Pflege geschaffen werden.
Das heißt neue Arbeitsplätze in der öffentlichen Daseinsvorsorge und eine Umverteilung von bezahlter und unbezahlter Arbeit durch eine massive Arbeitszeitverkürzung. Nur so ist eine nachhaltige zukunftsfähige Entwicklung möglich.