Im polnischen Salzbergwerk Wieliczka bei Krakau hat am 7.12.2009 die Bundestagsabgeordnete der LINKEN, Inge Höger, an einer Podiumsdiskussion über Frauen in der Gewerkschaftsbewegung teilgenommen. In Anwesenheit von RegierungsvertreterInnen und Verantwortlichen der drei großen polnischen Gewerkschaften ZZG, Kadra und Solidarnosc sagte Ver.di-Mitglied Höger: "Gewerkschaften funktionieren leider viel zu oft als Männervereine, deren Arbeit sich auf das konservative Modell des männlichen Ernährers bezieht." Da sich in den vergangenen Jahren alle Bereiche des Erwerbslebens zunehmend prekarisierten, müsse endlich das Bewusstsein für die Probleme von Frauen in der Arbeitswelt zunehmen, so Inge Höger.
"Dieses Thema ist zum erstem Mal in Polen ernsthaft besprochen worden", stellte Joanna Gwiazdecka von der mitveranstaltenden Rosa-Luxemburg-Stiftung fest. Frauen und Gewerkschaft seien in Polen bisher ein Tabuthema. "Das Podium war ein Anstoß für eine breitere Debatte", betonte Gwiazdecka. Dass selbst der erzkonservative polnische Ministerpräsident Lech Kaczyński eine wohlwollende Grußbotschaft formuliert hatte, zeigt, dass in breiten Teilen der polnischen Gesellschaft offenbar Bereitschaft zum Gespräch besteht. "Diese Gelegenheit müssen wir nun nutzen, um linke Akzente zu setzen", sagte Joanna Gwiazdecka.
Auch in Deutschland gilt, dass die Gewerkschaftsbewegung nur dann eine Zukunft hat, wenn sie Frauen, MigrantInnen, Menschen in prekären Beschäftigungsverhältnissen und Erwerbslose organisiert und sich für deren Interessen einsetzt.