16. Februar 2017 Inge Höger

Stahlhelm des Monats Februar 2017: Martin Schulz

Kriegslust geht vor Faktenlage

Die Jury hat sich diesmal dazu durchgerungen, den designierten SPD-Kanzlerkandidaten Martin Schulz mit dem Stahlhelm des Monats auszuzeichnen. Der Hoffnungsträger der Sozialdemokratie beweist Entschlossenheit und Weitsicht, wenn er feststellt: „Die SPD hat Auslandseinsätze der Bundeswehr immer mitgetragen, wenn sie im Rahmen unserer Bündnisverpflichtungen für die internationale Sicherheit notwendig waren.“ (Interview) Und so wolle es Schulz als Kanzler dann auch halten. Und Recht hat er. Im Übrigen hat die SPD nicht nur Einsätze der Bundeswehr, sondern auch des Kaiser-Heeres „immer mitgetragen“. Auch 1914 standen „Bündnisverpflichtungen“ schon ganz oben auf dem Wunschzettel der SPD. Deutschland braucht einen Kanzler, der sich gut in der Geschichte auskennt.
Doch nicht nur das: Schulz weiß auch, wie man mit der Geschichte umgeht: Die SPD habe „Einsätze abgelehnt, wenn sie falsch und völkerrechtswidrig waren“. Freilich ist sich Schulz bewusst, dass die SPD 1999 einen völkerrechtswidrigen Krieg gegen Serbien geführt hat. Dass der Kosovo-Krieg nicht völkerrechtskonform war, gibt sogar der damalige Kanzler Schröder zu. Doch im Zeitalter des Postfaktischen weiß Martin Schulz, was Sache ist. Wir hoffen, dass der Preisgekrönte noch oft die Gelegenheit haben wird, die Geschichte im Sinne des Stahlhelms umzuschreiben.