Im Stil einer Kriegsberichterstattung wurde über die Todesgefahr durch EHEC-Erreger im Gemüse berichtet. Tonnenweise wurde Gemüse geschreddert, untergepflügt, weggeschmissen.
Die Schäden für die Gemüsebauern in Europa liegen bei über einer Milliarde Euro. Jetzt stellt sich heraus, die Warnung vor Salat, Gurken und Tomaten war unbegründet: „Es sind die Sprossen“(Süddeutsche Zeitung vom 10.06.), allerdings fehle noch der endgültige Nachweis. Wie der Erreger auf oder in die Sprossen gekommen ist, sei aber nach wie vor unklar.
Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner (CSU) warnte noch am 25. Mai vor dem Verzehr von Gemüse „in rohem Zustand“ und behauptete, “die Behörden leisteten hervorragende Arbeit“…
Gesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) betonte „die Strukturen (gemeint sind die Zuständig-keiten für das Krisenmanagement) hätten gut funktioniert“.
Für die Bevölkerung sind inzwischen viele Fragen aufgeworfen:
o Weshalb melden Kliniken die Krankheitsfälle nicht direkt an das Robert-Koch-Institut (RKI) sondern erst über die Länderbehörden?
o Weshalb war drei Wochen nach den ersten Meldungen über eine bundesweite EHEC-Epidemie die Quelle noch nicht ausgemacht?
o Weshalb wurde in den Fragebögen nur nach dem Verzehr von Salat, Tomaten und Gurken gefragt? Wehalb nicht die Frage, was sonst noch in dem Salat war?
o Gibt es eine Aufstellung aller betroffenen Personen mit Angabe, wann und wo genau die Erkrankung aufgetreten ist?
o Warum wissen die Verantwortlichen nicht, dass vor mehr als 10 Jahren in Japan schon eine solche EHEC-Epidemie bei 12 000 Menschen aufgetreten ist und nutzen diese Erkenntnisse?
o Gibt es hierzulande keine Infektionsepidemiologen, die mit etablierten und bekannten Methoden der Feldarbeit die Befragung von Menschen mit und ohne EHEC mit standardisierten und erprobten Fragebögen hinsichtlich ihrer Nahrungsaufnahme während der letzten drei Tage vor Ausbruch der Symptome organisieren konnten? War da eine Gurkentruppe unterwegs, statt Menschenverstand bei Detektivarbeit?
1854 wurde in London die Ursache der Cholera-Epidemie gefunden und etwa zur gleichen Zeit in Wien die Ursache des Kindbettfiebers ohne die entsprechenden Erreger je gesehen zu haben.
Das Genom des EHEC-Erregers genau zu kennen hilft da nicht. Große Rätsel werden erfah-rungsgemäß nicht im Labor gelöst. Für eine gründliche Ursachenforschung bedarf es einer gründlichen Feldforschung. Es gibt scheinbar einen Mangel an klassischen Infektionsepidemiologen.
Seuchen wie Pest, Cholera und Pocken, die spanische Grippe-Epidemie 1918 – 1920 sind als Bedrohung im Gedächtnis der Bevölkerung. So ist zu erklären, dass Pandemie-Angst-Kampagnen der letzten Jahre wie Hongkong- (SARS), Vogel-, Schweinegrippe, Ebola, Rinderwahnsinn möglich sind. Bei letzterer entstand dem deutschen Gesundheitswesen ein Schaden von einer Milliarde EURO. Die dafür verantwortliche - durch massive Interessenkonflikte belastete - Ständige Impfkommission (STIKO) wurde inzwischen bis auf wenige Ausnahmen ausgetauscht. Die angebliche Seuchengefahr war übertrieben worden, damit die Pharmaindustrie ihre Impfstoffe verkaufen konnte, die dann nicht gebraucht wurden.
Prof. Lothar Wieler, Molekularbiologe an der Freien Universität Berlin, deutet auf Anfrage des Internetportals ‚DerWesten’ (WAZ) an, dass sich für die Forschung neue Fragen stellen kön-nen…“vielleicht neue Ansätze für die Suche nach Impfstoffen“. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt.
Im letzten Jahr starben hierzulande etwa 850 000 Menschen. Neben vielen anderen Todesursachen werden allein 100 000 dem Rauchen, 16 000 dem Alkoholkonsum, 10 000 resistenten Keimen aufgrund mangelnder Hygiene als Todesursache zugeschrieben. Deshalb erklärt Helga Ebel, Sprecherin der LAG Gesundheit und Soziales: „Niemand will eine Krankheitsgefahr kleinreden, aber die Bundesregierung soll bei dem EHEC-Risiko die Kirche im Dorf lassen und vernünftig damit umgehen.“
Es wäre fatal, wenn die Bevölkerung zu dem Schluss käme, Frisches wäre ungesund, dagegen Bestrahltes, luftdicht Verpacktes usw. besser sei.
Mit der Hygiene kann es gern ein wenig übertrieben werden. Das Händewaschen mit Seife vor dem Zubereiten von Speisen ist sehr wichtig, Wischtücher und Schwämme täglich auskochen, Obst und Gemüse vor der Zubereitung gründlich waschen usw.
Selbstverständlich ist im Verdachtsfall eine medizinische Einrichtung aufzusuchen.