46. TAG DES CFM-STREIKS - 27.10.11
Auch am 46. Tag fanden viele Aktionen statt. Alle KollegInnen - auch aus den anderen Campus - versammelten sich morgens im Campus Mitte. Sie waren aufgekratzt, weil sie eine Demonstration zum Roten Rathaus geplant hatten, mit dem Ziel, die Ignoranz und die Gleichgültigkeit der “Volksvertreter“, die bei den Koalitionsverhandlungen über die Zukunft der Charité und die tariflosen Arbeitsverhältnisse bei CFM (Charité Facility Management) kein Wort verloren hatten, zu entlarven. Sie hatten die Ignoranz und Überheblichkeit von Wowereit am 13.9.11 im Campus Virchow nicht vergessen.
Bis 9.30 Uhr liefen die Demonstrationsvorbereitungen.
Um 9.45 Uhr tauchte eine dreiköpfige Delegation von der Gewerkschaft NGG (Nahrung, Genuss, Gaststätten) auf und erklärte sich im Namen der Verwaltungsstelle und der KollegInnen solidarisch mit den Streikenden. Sie brachten Obst und Kekse für die Streikenden zur Stärkung vor der Demo mit, um dem Satz "ohne Verpflegung keine Bewegung" gerecht zu werden. Sie sprachen ihre Hochachtung für den siebenwöchigen Streik aus und kritisierten die Politiker, vor allem den Berliner Senat, der durch Ausgründungen diese Lage verursacht habe. Deshalb seien u. a. in Berlin 38 % der Kinder arm, weil ihre Eltern im Billiglohnsektor beschäftigt seien. Sie ermutigten die Streikenden, weiterzumachen und ermahnten sie, nicht an leere Versprechungen zu glauben.
Um 10 Uhr kam Inge Höger (MdB Linke) zum Campus Mitte. Sie war den Streikenden nicht fremd. Sie war bei der letzten Demo vor Dussmann dabei gewesen. Sie sagte, es sei ein Skandal, ausgerechnet im Gesundheitsbereich, wo tariflich gute Arbeit mit gutem Geld bezahlt werden müsse. Es gehe schließlich um die Gesundheit jedes Einzelnen. Sie wünschte allen Durchhaltungskraft und beglückwünschte sie zu ihrem erfolgreichen Arbeitskampf.
Um 11 Uhr begann die Demo. Unterwegs machten sie durch kurze Redebeiträge und Losungen die BürgerInnen dieser Stadt auf ihre Forderungen aufmerksam. Sie erreichten um 12.30 Uhr das Rote Rathaus und umzingelten es ohne Lücke. Nach der gelungenen Belagerungsaktion zogen sie zum Neptunbrunnen und machten dort ihre Abschlusskundgebung.
Kollege Uwe, von der Streikleitung hielt dort eine Rede und sagte zusammenfassend:
Die Löhne in Berlin seien im Vergleich zur übrigen BRD zu niedrig und würden nur 83,5% des Bundesdurchschnitts betragen. Insbesondere sei der Berliner Senat das größte Dumpinglohnunternehmen im Nordosten Deutschlands. Er fordere den Senat auf, endlich Verantwortung für die Menschen und nicht für die Banken zu übernehmen. Das Ziel des Streikes sei es, dass es in Berlin keine tariffreie Zone mehr geben solle, nicht nur die CFM-Beschäftigten, sondern alle sollen Tarifverträge erhalten.
Der Berliner Senat verstoße in seinem Verhalten während des Streiks laufend gegen Artikel 9 des Grundgesetzes, und Uwe zählte einen Katalog von Punkten auf, in denen er die Landesregierung anklage:
Beschäftigten sei im Falle eines Streiks mit Kündigung bedroht worden, an den Arbeitsplatz zurückkehrende seien zwangsversetzt worden, Streikbrecherprämien seien gezahlt worden, als Streikbrecher eingesetzte Beschäftigte seinen falsch informiert und ihnen so das Recht auf Arbeitsverweigerung vorenthalten worden, seit 7 Wochen seien die Patienten nicht ausreichend versorgt, ganze Abteilungen würden verlottern, weil unqualifizierte Leiharbeiter eingesetzt würden usw. Jeder Anklagepunkt wurde von den Streikenden mit dem Ruf "Schämt Euch!" und einem Trillerpfeifenkonzert quittiert.