9. Februar 2016 Inge Höger

Berufschancen auch für Jugendliche mit Problemen

Inge Höger in der Holzwerkstatt des BAJ gemeinsam mit Geschäftsführer Dr. Markus Schäfer-Willenborg und den Betriebsräten Hans-Jörg Ellersiek-Finke und Klaus Bolgen.

Inge Höger in der Holzwerkstatt des BAJ gemeinsam mit Geschäftsführer Dr. Markus Schäfer-Willenborg und den Betriebsräten Hans-Jörg Ellersiek-Finke und Klaus Bolgen.

Jugendliche aus benachteiligenden sozialen Verhältnissen haben es oft schwer, im Leben Tritt zu fassen: schlechte Schulnoten, fehlender Schulabschluss, geringe Aussichten auf berufliche Bildung führen häufig zu nicht wieder aufholbaren Chancen für die gesamte Lebensgestaltung und zu Dauerkarrieren im Transferleistungsbezug.

Für diese Jugendlichen versucht der Verein „Berufliche Ausbildung und Qualifizierung Jugendlicher und Erwachsener“ - kurz BAJ - seit 1984 berufliche Perspektiven zu entwickeln. Das Programm reicht von Berufsfindung, Berufsvorbereitung, Ausbildung und bis zu vielfältigen Fortbildungsmöglichkeiten. Seit 2010 hat der Verein mit dem Berufskolleg in Tor 6 ein weiteres Bildungsangebot für besonders benachteiligten Jugendlichen. Insgesamt sind es im Jahr angehend 1000  junge Menschen, denen über die verschiedenen Maßnahmen des Vereins ein Weg ins Berufsleben vermittelt wird. Auch von den Bielefelder Betrieben wird inzwischen anerkannt, dass die Bildungsmaßnahmen des BAJ eine hohe Qualität haben.

Wettbewerb um gute Bildung drückt die Tarife der Beschäftigten

Seit den Arbeitsmarktreformen von 2002 muss der Verein die Bildungs-Maßnahmen in Wettbewerbsverfahren „gewinnen“. Auch wenn inzwischen ein Mindestlohn für diesen Bereich der Bildung eingeführt wurde und die Qualität der Maßnahmen höher gewichtet wird so bedeutet der Wettbewerb doch, dass ein ständiger Druck auf die Personalkosten herrscht. In teilweise heftigen Auseinandersetzungen zwischen Gewerkschaft ver.di und Verein wurden die Tarife der BAJ Beschäftigten abgesenkt. Sie liegen aktuell ca. 18 Prozent unter dem Tarifniveau des öffentlichen Dienstes.

Für die 85 Beschäftigten des Vereins, hochqualifizierte Fach- und Sozialarbeiter*innen mit großem Engagement für ihre Arbeit, ist das eine ausgesprochen bittere Pille. Geschäftsführung und Betriebsrat sind sich aber inzwischen einig, dass die bundespolitischen gesetzlichen Rahmenbedingungen geändert werden müssten und der Mindestlohn nur ein erster Schritt sein kann. 

Inge Höger dazu: „Der Verein BAJ macht eine hervorragende Arbeit in einem sehr wichtigen und schwierigen Arbeitsfeld. Jeder junge Mensch, dem hier ein Weg ins Berufsleben ermöglicht wird, ist ein langfristiger Gewinn für die Gesellschaft. Wenn diese Arbeit unter ständigem Gelddruck und finanziellen Opfern der Beschäftigten geleistet werden muss ist das ein politischer Skandal. Hier wird eine öffentliche Aufgabe erfüllt und das muss zu angemessenen und tariflich abgesicherten Bedingungen geschehen. Der Bundesgesetzgeber ist hier in der Pflicht.“