4. März 2011 Inge Höger

Draußen vor der Tür - Ehemalige Soldaten nach dem Afghanistan-Einsatz

Tagung vom 4. bis 6. März 2011
Evangelische Akademie Bad Boll

Draußen vor der Tür
Ehemalige Soldaten nach dem Afghanistan-Einsatz

Bei „Veteranen“ denkt man in Deutschland an alte Menschen, die letzten überlebenden Soldaten des Weltkriegs. Erst seit kurzem wird bewusst, dass es sich gegenwärtig um junge Leute handelt, die aus Auslandseinsätzen der Bundeswehr zurückkehren.
Nach Angaben des Bundesministeriums der Verteidigung waren bisher 278 000 Soldaten im Auslandseinsatz. Gegenwärtig sind über 7000 Soldaten an verschiedenen Einsatzorten. Oft vergessen sind die Einsatzländer Kambodscha, Somalia, Kongo, Sudan, Libanon, Georgien und die Sicherung der Seewege am Horn von Afrika. Man erinnert sich auch an die noch laufenden Einsätze auf dem Balkan und vor allem seit 2001 der Afghanistan-Einsatz (ISAF). Erst seit kurzem wird seitens der Politik von „Gefallenen“ gesprochen und auch die Bezeichnung „Krieg“ nicht mehr vermieden. Der Afghanistankrieg wird mehrheitlich von der Bevölkerung abgelehnt, gleichwohl vom Bundestag befürwortet. Im Bewusstsein ist er vor allem dann, wenn deutsche Todesfälle zu beklagen sind.
Ziemlich alleingelassen fühlen sich Soldaten, wenn sie zurückkehren und entlassen werden. Sie treffen auf Zweifel am Sinn des Einsatzes und Unverständnis oder Gleichgültigkeit in der Öffentlichkeit. Viele haben große Schwierigkeiten, sich wieder beruflich und gesellschaftlich zu integrieren. Belastungen durch extreme Situationen wirken sich oft erst später aus und verändern die Persönlichkeit, so dass Familien und Beziehungen zerbrechen. Viele leiden an Posttraumatischen Belastungsstörungen (PTBS) und brauchen psychiatrische Hilfe. Dennoch bleiben sie sich oft selbst überlassen. Sie fühlen sich buchstäblich „draußen vor der Tür“. Es gilt die Einsicht des amerikanischen Psychiaters Jonathan Shay, der seit 1987 amerikanische Kriegsveteranen therapiert: „Menschen verlassen das Land und kehren zurück mit Erfahrungen, die auf extreme Weise anders sind als die ihrer zurückgebliebenen Mitmenschen.“ Er beschreibt, wie Kriege in jedem Fall permanente seelische Zerstörungen bei Individuen und Gesellschaften
verursachen.
Nun bilden sich Veteranen-Vereinigungen - in erster Linie, um eigene Interessen zu vertreten. Sie können sich aber auch zu einer politischen Kraft entwickeln. Wir wollen auf ihre Erfahrungen hören und diese in die friedenspolitische Debatte einbringen, ganz besonders mit den verantwortlichen Abgeordneten des Verteidigungsausschusses des Deutschen Bundestags.


Herzliche Einladung nach Bad Boll!


Militärdekan Christian Fischer
Pfarrer Wolfgang Wagner


Freitag, 4.3.2011

16:00 Ankunft und Empfang
Kaffee, Tee, Gebäck, Obst
16:45 Begrüßung und Einführung
17:00 Zur aktuellen Lage in Afghanistan
aus militärischer Sicht
18:30 Abendessen
19:45 „Willkommen zuhause“
21:30 Tagesausklang mit Gesprächen im Café Heuss


Sonnabend, 5.3.2011

8:00 Morgenandacht
8:20 Frühstück
9:00 Leben im Einsatz und Leben danach
10:30 Kaffeepause
11:00 Umgang mit Posttraumatischen Belastungsstörungen
(PTBS) in der Bundeswehr
12:30 Mittagessen
14:00 Informeller Gruppenaustausch
15:30 Kaffee, Tee, Gebäck, Obst
16:00 „Die reden - wir sterben“
18:30 Abendessen
19:30 Die NATO in Afghanistan im Frühjahr 2011
21:30 Tagesausklang bei Gesprächen im Café Heuss


Sonntag, 6.3.2011

8:00 Morgenandacht
8:30 Frühstück
9:15 Die Verantwortung der Politik, u.a. mit Inge Höger
10:45 Kaffeepause
11:15 Fortsetzung der Diskussion
12:15 Schlusswort
12:45 Mittagessen und Ende der Tagung


Parallel zur Tagung treffen sich
Das Darmstädter Wort – zur Jahrsversammlung    
Bund Deutscher Veteranen, Deutsche Kriegsfürsorge