11. März 2011 Inge Höger

Filmvorführung "We want Sex!"

Frauenaktionsmonat
Kino Capitol
Elisabethstraße 1A, 32052 Herford
Premiere in Herford
Freitag, 11. März 2011, 16:00 Uhr
gesponserter /ermäßigter Unkostenbeitrag 5.- €
für women only

Wenn Rita (Sally Hawkins) und ihre Kolleginnen im britischen Ford-Werk Dagenham häufig nur in Unterwäsche bekleidet arbeiten, hat das selbst Ende der 60er wenig mit der anrollenden Sexwelle zu tun, sondern vielmehr mit der unerträglich heißen und stickigen Luft in der Fabrikhalle. Bald platzt den Arbeiterinnen endgültig der Kragen. Angeführt von der beherzten Rita treten die Frauen in Streik: bessere Arbeitsbedingungen und „equal pay“ - gleicher Lohn für gleiche Arbeit - so ihre simplen, aber prägnanten Forderungen. Doch von der Konzernleitung und bald auch ihren Ehemännern schlägt den Frauen heftiger Widerstand entgegen. Da trifft von unerwarteter Seite Schützenhilfe ein: Kerle, zieht euch warm an, London, wir kommen!


Filmrezession von Katharina Schwabedissen, Landessprecherin DIE LINKE.NRW

Der Titel scheint nicht zu halten, was er verspricht. Die Zuschauenden werden in eine Welt entführt, in der Frauen innerhalb weniger Minuten von braven Fabrikarbeiterinnen und Ehefrauen zu Kämpferinnen um ihre Rechte werden.
Es ist 1967. Rita O’Grady (Sally Hawkins) arbeitet gemeinsam mit 186 weiteren Frauen als Näherin in einer Ford-Fabrik im englischen Dagenham. Die Arbeitsbedingungen sind unmenschlich: Es ist heiß und eng, wenn es regnet, werden di e Frauen nass. Viele der Frauen hetzen zur Arbeit, weil sie bereits von der Arbeit kommen: Kinder und Ehemänner wollen morgens versorgt und zur Schule gebracht werden. Eine Welt, in der Kühlschränke noch Luxus sind, die Männer nach der Arbeit in den Pub und die Frauen an den Herd gehen.
Als das Ford Management beschließt die Frauen als ungelernte Arbeitskräfte einzustufen, gehen Rita und ihre Kolleginnen auf die Barrikaden: im Werk und in ihren Familien. Es kommt zum ersten Frauenstreik in der Geschichte Großbritanniens und es kommt zu Auseinandersetzungen über die heimische Arbeitsteilung. Die anfängliche Unterstützung der Fordarbeiter für die Frauen kippt, als die Arbeit im Werk stillsteht, weil der Nachschub aus der Näherei ausbleibt und das Essen nicht mehr wie von Zauberhand auf dem Tisch steht.
Als die örtliche Gewerkschaftsführung die Frauen kurzerhand über den Tisch ziehen will, tauchen sie auf der Gewerkschafterkonferenz (sic) auf. Rita, ihre neue Anführerin soll reden und sie redet: mit klaren Worten setzt sie sich gegen die verstaubten Ansichten ihres Gewerkschaftsbosses durch. Gegen ihre Ehemänner, gegen das Management und gegen die gewerkschaftliche Vertretung kämpfen die jungen Frauen ihren Streik durch.
„Was machen sie, wenn Politiker nicht mit sich reden lassen? Würden sie aufgeben?“ fragt ein braver Fotograf die streikenden Frauen. Er erntet Achselzucken und die Antwort: „Wir sind Frauen! Also stellen sie nicht solche dummen Fragen“. Als sich die engagierte Labourabgeordnete Barbara Castle mit den Frauen trifft, bekommt die Aktion eine ungeahnte Dynamik.

Die in „We Want Sex“ beschriebenen Ford-Werke in Dagenham waren zur damaligen Zeit die größten in ganz Europa. Rund 55.000 Arbeiter und 187 Frauen verkauften dort ihre Ware Arbeitskraft. Der Film beschreibt in weiten Teilen Geschichte, die 1967 von den Näherinnen in Dagenham für ganz Europa geschrieben wurde.
1970 trat in England der „Equal Pay Act“ in Kraft, ein Gesetzt, dass festlegte, dass Männer und Frauen gleichen Lohn erhalten müssen. „We want Sex“ erzählt, wie aus braven Arbeitskräften Widerstandskämpferinnen werden – mit viel Humor, Augenzwinkern und Marx. Und warum der Titel „We want sex“ letztlich doch hält, was er verspricht, erfahrt ihr im Kino!